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Freitag, 3. Dezember 2010

Gruesse aus Darwin mit einigen Gedanken und Beobachtungen zu Australien

So... ich bin euch noch die Bilder und Geschichten von meiner ganzen Ostkuestentour schuldig, die werd ich auch bestimmt nachholen, wenn ich ein wenig Ruhe hab (wahrscheinlcih morgen, denn irgendwie ist mir Darwin net sooo sympathisch und ich hab den Eindruck so ab 18h sollte man nimma draussen unterwegs sein. Wie praktisch, dass ich dann mein Internet hab,... )

Da ich durch meiner tolle Zeit in Cairns, einer absolut putzigen und bewunderswerten Stadt im Norden der Ostkueste mit unendlich vielen Angeboten fuer alle und jeden, heute einen kleinen Kulturschock erlitten hab bei meiner Ankunft in Darwin, hab ich mir gedacht, dass es mal an der Zeit ist, ein paar zeitgenoessische Gedanken zu Australien, den Aboriginies und der Kultur hier loszuwerden, Immerhin erlebt man als Europaer mit unendlich viel Geschichte im Hintergrund hier ganz was neues, ein Kontinent, der (uns) erst 200 Jahre lang bekannt ist und noch viel mehr, eine ganze Nation, die noch viiiiiiiel juenger ist und ein eigenartiges Gewirr aus alten Traditionen, ueber nommen von den Siedlern, und neuen Eigenheiten ist.

Aber fangen wir mal am Anfang an. Was wissen die meisten Leute ueber Australien, die hierher kommen? Die meisten wissen, dass es gross und rot ist mit vielen Surfstraenden und heissen Surferjungs (dazu kann ich nur sagen... nicht so viele wie man denkt...) Dann weiss man noch, dass hier eigenartige Tiere leben, naemlich Kaengurus, Koalas und so weiter... die alle eins gemeinsam haben, einen Beutel in dem sie ihre Jungen aufziehen. Und natuerlich kenn jeder den grossen roten Stein in der Mitte des Landes... den Ayers Rock oder ULURU, wie er jetzt (wieder) heisst, seit er wieder den Aboriginies gehoert. Ja und dann wissen noch einige Leute, dass es hier einen eigenen Volksstamm gibt.

Doch wer weiss wirklich, dass die Aborignies, dieses Land seit wahrscheinlich ueber 40.000 Jahren (!!!) bewohnen. Und die Bedingungen sind nicht besonders einladend hier! Entweder es is kalt oder heiss, staubtrocken oder verdammt nass und trotzdem gibt es diese Voelker seit Ewigkeiten hier! Es gibt nicht viel ueberliefertes, weil es doch keine Schrift gibt, aber es gab die Geschichten der Aelteren, die alles ueberliefert haben und ein kompliziertes soziales Netz sowie unzaehlige Dialekte zu den unzaehligen Aboriginie Sprachen (man vermutet, dass es ueber 250 Sprachen gab... davon sind allerdings nur mehr 50 ueber und selbst von denen sind 20 vom Aussterben bedroht). Nur um nochmal zur Zeit zurueckzukommen: Wir Europaeer haben eine Geschichte, die vielleicht mit den Babyloniern und Aegyptern anfaengt und das is so ab 5.000 vor Christus. Klar gabs davor auch Leben und Voelker in Europa, aber es war ein staendiges kommen und gehen. Als wir noch mit unseren Homo erectus status zu kaempfen hatten, waren hier in Australien schon die Aboriginies am Werk!  Ich finde das mehr als bemerkenswert! Keine Kultur natuerlich im Sinn von unseren Hochkulturen, aber diese Menschen hier haben Naturgewalten getrotzt, mit Riesenwombats und Beuteltierloewen gekaempft... und es trotz der unwirtlichen Gegend geschafft mit der Natuer zu leben udn vor allem zu UEBERleben. Kann man sagen was man will, ICH finde das bemerkenswert und wirklich unglaublich. (auch wenn die Bejagung und vor allem die Brandrodung, die die Aboriginies einsetzen um Land nutzbar zu machen, dazu gefuehrt haben, dass die Riesenwomats und in Folge dessen die Beutelloewen...)




Und dann im 18. Jhdt haben es auch wir ach so hochentwickelte Europaer geschafft hier zufaellig mal vorbeizusegeln und zufaellig an Land zu gehen. Und dem lieben James Cook faellt nix besseres ein, als das Land fuer die britische Krone in Besitz zu nehmen und die Entdeckung seinem Lebenslauf hinzuzufuegen. Was passiert danach? Um das groesste Gefaengnis des britischen Empires zu gruenden, werden ganze Staemme, nein eigentlich ein ganzes Volk enteignet und von Land vertrieben, dass sie seit Jahrtausenden beleben. (besitzen ist net richtig, weil sie ja glauben, dass das Land allen gehoert) Warum wir Europaer mit unserer Hochkultur einfach immer glauben mussten, dass wir das Mass aller Dinge sind und alles andere nix wert ist. Ohne (zumindest nehm ich das an) einen ernsthaften Blick auf etwas zu werfen, bevor wir es als minderwertig, rueckstaendig, barbarisch usw abtun. Nur weil jemand nicht in Hosen und Schuhen unterwegs ist, sondern bei 40Grad lieber nen Lendenschurz traegt, heisst es nicht, dass es per se primitiv ist. Es ist einfach eine andere Lebensform. Naja, wir haben in der Geschichte ja schon sehr oft bewiesen, dass wir glauben, "Das Hoechste" zu sein... (Beispiele: Afrika, Sued-und Nordamerika...ueberall so aehnlich... )

Heute vor einem Kaufhaus in Darwin hab ich ein Bild gesehen, das mir ziemlich zu denken gegeben hat: aeltere Aboriginie Frau normal gekleidet (Kleid und Bluse) steht da mit Handy in der Hand und spielt sich mit dem Ding. Dieses Volk wusste vor 250 Jahren noch net mal, dass es noch andere Menschen auf dieser Erde gab (geschweige denn das Australien net der einzige Kontinent ist), hat auch net in festen Haeusern gelebt und der Kommunikationsinstrument war das Didgeridoo und der Bull Roarer. Und dann steht sie da vor mir ein perfekter Spagat zwischen Tradition (Haare, Schmuck, Aussehen) und der Neuzeit (Kleidung und Handy). Und das in 200 Jahren. Wenn man sich anssieht, wie langsam und gemaehlich bei uns diese Entwicklung gegangen ist und manche Leute koennen sich immer noch net mit gewissen Dingen anfreunden.

Keine 3m neben der Frau sitzen dann schon die Aboriginies, die kein Zuhause haben und sich dem Raeuschen aller Art hingeben. Ich muss sagen, in Melbourne und Sydney hab ich kaum Aboriginies gesehen, auch rauf bis Surfers Paradise eigentlich gar net. In Brisbane hatte ich mein erstes Aboriginie Erlebnis und leider wars auch dort eine entwurzelte und verlorene Aboriginie Dame, die sich wohl fuer Drogen und Alkohol verkauft hat. Es tat und tut mir im Herzen weh das zu sehen.

Aber ganz ehrlich... ueberrascht das einen? Dieses Volk hat in etwa 3-4 Generationen fast alles erlebt: enteignung, Niedermetzelung (wenn sie den Schaffarmern zu laestig waren), Vergewaltigung (Aboriginie Frauen wurden als Sex-&Arbeitssklaven einfach mitgenommen fuer irgendwelche Holzarbeiter oder Walfaenger), Verfolgung, Entwurzelung - einfach alles. Wie sollen diese Leute den Sprung von Nomadentum schaffen in 200 Jahren? Wir haben dafuer auch ein paar tausend Jahre gebraucht! Wenn man als VOlk immer als minderwertig deklariert wird und auf eigentlich eigenem Land kein Recht mehr hat, ich wuerde auch in einer schwere Identitaetskrise stuerzen. Dieses Volk ist einfach schwer entwurzelt und ich kann sie so gut verstehen. Ich finde die Aboriginies auch unheimlich, wenn sie in Gruppen auf der Strasse sitzen und sich betrinken. Vor allem weil sehr viel von ihnen rote Augen haben, aber ich versuche mich einfach normal zu verhalten. Dabei ist es ja jetzt schon viel besser geworden, was die Akzeptanz von Aboriginie Leuten von Seiten der Australier (!!!) angeht. (sie haben immerhin seit 25 Jahren Wahlrecht... *hust* und haben eine Entschuldigung vom Australischen Staat mit einigen Rueckgaben von land bekommen) Das allerdings, was an Kultur zerstoert worden ist, kann keiner mehr ersetzen und zurueckbringen.

Ich finde es umso bewundernswerter, dass zumindest Aboriginie Kuenstler immer selbstbewusster Auftreten und sich somit Gehoer verschaffen und auch die Akzeptanz erhoehen. Wobei ich es immer noch sehr interessant finde, dass ich in den meisten Aboriginie Art Shops ein "Weisser" die Sachen verkauft. Glauben die Leute, so verkaufts sich besser, weil die Aboriginies alles Leute vergraulen?! Das hab ich noch nicht verstanden.

Nochmal zu Cairns und Darwin, in Cairns waren auch schon unzaehlige Aboriginies, die auch in Gruppen am City Place herumgesessen sind, aber dort hatte ich NIE das Gefuehl, dass sie aggressiv waeren. Vielleicht auch, weil direkt bei Cairns ein riesiges Cultural Center der Tjapukaij People ist. (das haben wir besucht und es war der WAHNSINN). Auf jeden Fall war Cairns eine - find ich zumindest - entspannte, positive Art des Zusammenlebens. Hier in Darwin ist es ein wenig anders. Die ganze Stadt wirkt wie ein Bauerndorf und ist scheinbar auch so konservativ. Hier sind die Gegensaetze noch viel groesser: eine groesse Gruppe Aboriginies sass auf der Esplanade beinander. Das waren bestimmt 30-40 Leute. Und schraeg gegenueber war ein wohl sehr angesagtes Lokal genannt THE DECK, das zum Bersten voll war, bei genauerer Betrachtung konnte ich dort allerdings keinen einzigen Aboriginie sehen. Die Leute dort alle sehr schick gekleidet und man hat gesehen, dass es sich um die "Elite" von Darwin handelt. Und diese Gegensaetze liegen alle auf etwa 50m beinander. schoen krass. Ich denk bis es hier ein gutes udn vor allem normales Zusammenleben gibt, muessen noch mindestens 2 Generationen vergehen. Die Abneigung bei den aeltern Aboriginies sitzt noch zu tief und bei den meisten Australiern hab ich das Gefuehl, dass sie sich aus Scham nicht mit den Aboriginies beschaeftigen wollen. (oder weil sie immer noch glauben, dass sie was besseres sind...) Schade drum... denn immerhin wissen die aboriginies, wie man dieses Land richtig an die Hand nimmt.

Naja ein zweiter Punkt, wo man merkt wie kurz es dieses Land eigentlich erst gibt, ist das Thema Weihnachten. Genau wie in Oesterreich bzw. Europa ist es grad ueberall omnipraesent. Jeder Laden hat nen WEihnachtsbaum aufgestellt, ueberall ist Santa Clause abgebildet und aufgeklebt und  naja es gibt auch Christbaeume, die selber kuenstlichen Schnee produzieren udn es somit auf sich selber schneien lassen. *seufz*

ABER

hier gibt es keinen Schnee und keine Tannen-und/oder Fichtenbaeume. Hier gibt es Sonne, Sonne, Strand, Meer, Regenwald, Wueste, Berge, Eucalyptusbaeume usw. aber bestimmt keinen schnee und keinen Tannenbaum. es scheint, als das die gute alte Tradition aus Deutschland und den UK einfach mithergenommen wurde und es in 200 Jahren nicht ein Mensch ueberdenken wollte. Warum soll ich was feiern, dass es in der Form hier net sooo gibt? Ich kann doch auch ne Palme schmuecken oder? und ich brauch doch keine Rentiere, wenn ich Kaengurus hab. Irgendwie wissen die Australier, und die meisten sind ja erst so in der 2.-3. Generation hier, noch nicht zu schaetzen in welchem besonderen, weil so anderen Land sie leben. Dass sie noch so an den "ueblichen Strukturen" festhalten, ueberrascht mich auch net weiter, wenn man weiss, dass Leute ab der Heimat sich immer an Dinge klammern, die sie an daheim erinnern. Nur... ich hoffe wirklich, dass die Australier eines Tages munter werden und verstehen, wie besonders hier alles is... von der Flora bis zur Fauna.. einfach ein Wahnsinn. Und dass man auch die Weihnachtszeit anpassen kann. Da steht ja auch ein besonderes Fest dahinter.. und das Jesus Kind wurde auch net im Schnee sondern in Jerusalem geboren.

Egal... ich will damit auch nicht sagen, dass ich es nicht gut find wie es hier ist, ich finde es einfach nur schade, dass Australien sich noch nicht ganz als eigene und von Europa unterschiedliche Nation wahrnimmt. Dabei gibt es unzaehlige Gruende, warum die Australier BESONDERS stolz auf den Erdteil sein sollten, in dem sie leben. Vielleicht und ich hoffe es wirklich, kommt dieses Umdenken mit den naechsten Generationen, die bestimmt ein gutes Zusammenleben zwischen alten und neuen Australiern (wenn man den Kindern jetzt schon beim Spielen zuschaut gibt es viel Hoffnung) bringen.

Ich hoffe ich habe mich nicht zu konfus ausgedrueckt und ihr versteht ein wenig was ich mein. Gegenmeinungen sich gern willkommen und vielleicht schaffen wir eine spannende Diskussion!

Ich geh jetzt los in der 37Grad Hitze und schau mir nochmal Darwin an!
Alles Liebe,
Anna